Kommunales Abwasser
Mit dem kontinuierlichen Ausbau der Abwasseranlagen und den damit verbundenen hohen Investitionen wurde in Rheinland-Pfalz ein hoher Stand der Abwasserbeseitigung erreicht. Dies ist ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Gewässergütesituation und auch zur Entlastung der Nordsee. Die Überwachung der Kläranlagen sichert dabei die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen an die Abwasserbeschaffenheit.
In Rheinland-Pfalz haben die kreisfreien Städte, die verbandsfreien Gemeinden und die Verbandsgemeinden sicherzustellen, dass das in ihrem Gebiet anfallende Abwasser ordnungsgemäß beseitigt wird. Es ist die Aufgabe der Struktur- und Genehmigungsdirektionen Nord und Süd sowie der unteren Wasserbehörden, die entsprechenden Genehmigungen zu erteilen und die Nutzung der Gewässer zu koordinieren.
Mittlerweile sind rd. 99 % der Bevölkerung an die Kanalisation und an leistungsfähige kommunale Kläranlagen angeschlossen. Im Lagebericht wird der aktuelle Stand der Abwasserbeseitigung in Rheinland-Pfalz dokumentiert. Daten und Fakten zur Abwasserbeseitigung werden nebenstehend gegeben.
Die dauerhafte Sicherstellung des erreichten hohen Niveaus und die wirtschaftliche und verfahrenstechnische Optimierung der bestehenden Anlagen rücken auch unter Beachtung des demografischen Wandels mehr in den Vordergrund. Dazu ist es erforderlich, dass die notwendigen Investitionen kontinuierlich getätigt und Optimierungsmöglichkeiten genutzt werden. Nur dadurch können höhere Kosten für die Zukunft vermieden werden. Das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz (MUFV) unterstützt die kommunalen Gebietskörperschaften und auch die Bürger bei den anstehenden Aufgaben. Die finanzielle Förderung ist dabei ein wichtiger Bestandteil.
Themenschwerpunkte
Energieeffiziente Abwasserbehandlung
Kläranlagen sind energetische Großverbraucher. Bereits seit ca. 10 Jahren beschäftigt sich das Umweltministerium bei Kläranlagen mit der Betriebskosten, Verfahrens- und insbesondere der Energieoptimierung. Eine Vielzahl unterschiedlicher Projekte in Rheinland-Pfalz, die teilweise durch das MULEFW gefördert werden, zeigt das große Energieeinsparpotential.
In einer aktuellen Studie "Energiesituation der kommunalen Kläranlagen in Rheinland-Pfalz" wurde der aktuelle Stand sowie das Energieeinsparpotenzial ermittelt. Für das Jahr 2011 ergibt sich für Rheinland-Pfalz ein elektrischer Gesamtverbrauch von rund 200.000 MWh/a, im Mittel liegt der spezifische Energieverbrauch der erfassten Anlagen bei 36 kWh/(E*a). Weiterhin werden in der Studie auch das Optimierungspotenzial für Rheinland-Pfalz, die zukünftigen Handlungsschwerpunkte sowie durchgeführte bzw. im Bau befindliche Beispiele innovativer Energieeinspar- und Optimierungsmaßnahmen dargestellt. So ist es bei stehenden Faulungsanlagen vorrangiges Ziel, sowohl die Auslastung der vorhandenen Faulraumkapazitäten zum Beispiel durch die Annahme von Fremdschlämmen oder sogenannten Co-Substraten zu erhöhen und durch die Optimierung der Verfahrenstechnik eine Steigerung der Energieausbeute zu erreichen. Weiterhin ist das Potenzial einer Umrüstung von Anlagen mit aerober zu anaerober Schlammbehandlung in Rheinland-Pfalz zu prüfen.
Die wasserwirtschaftliche Förderung wird aktuell verstärkt auf die finanzielle Unterstützung von Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz ausgerichtet. Die im Energiebericht vorliegenden Informationen sollen möglichst durch eine detaillierte Energieanalyse weiter vertieft werden, um für Kläranlagen mit Defiziten bzw. zu hohem Stromverbrauch den Handlungsbedarf konkret zu bestimmen. Es ist vorgesehen, die finanzielle Förderung dieser Energieanalysen mit Zuschussmitteln deutlich zu intensivieren.
Weitergehende Informationen sowie der Download der Studie bzw. der Link zu den Beispielen siehe im Kapitel Kläranlage.
Überflutungsschutz bei Starkregenereignissen
Starkregenereignisse können große Schäden zur Folge haben. Im Gegensatz zu großräumigen Hochwasserereignissen können Überflutungen durch lokale Starkregenereignisse sehr viel schneller zu örtlichen Überschwemmungen führen. Aufgrund des Klimawandels können solche Ereignisse zukünftig häufiger auftreten. Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau und Forsten hat hierzu ein Studie KRisMA - Kommunales Risikomanagement "Überflutungsschutz" erarbeiten lassen. Weiterhin ist ein Leitfaden "Starkregen - Was können wir tun?" kurz vor der Veröffentlichung.
Weitere Informationen siehe auch im Kapitel Niederschlagswasser.
Leitlinien für die kommunale Abwasserwirtschaft
Die Nutzung der vorhandenen Erfahrungen und innovativer Ansätze im Bereich der Abwasserbeseitigung bieten eine besondere Chance, die genannten Aufgaben und Herausforderungen anzugehen. Zur Unterstützung dieses Ansatzes hat das MUFV das Projekt „Leitlinien für die kommunale Abwasserwirtschaft“ ins Leben gerufen. Ein wesentlicher Bestandteil der Leitlinien ist die Kommunikation innovativer Verfahren, Konzepte und Entwicklungen im Bereich der Abwasserbeseitigung.
Diese innovativen Fallbeispiele sowie weitere Informationen zum Projekt sind über die Internetseite Leitlinien kommunale Abwasserwirtschaft abrufbar.
Instandhaltung von Hausanschluss- und Grundleitungen
Das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz, die kommunalen Spitzenverbände, die DWA und die Ingenieurkammer unterstützen, dass die Hauseigentümer in Kooperation mit den Gemeinden die privaten Abwasserleitungen untersuchen und erforderlichenfalls sanieren. Zur Information wird den Bürgern ein Faltblatt „Information zur Instandhaltung von Hausanschluss- und Grundleitungen“ zur Verfügung gestellt.
Weitere Informationen zum Thema Kanalinstandhaltung können über die nebenstehenden Links abgerufen werden.
Niederschlagswasserbewirtschaftung
Die gemeinsame Ableitung von Schmutz- und Niederschlagswasser in einem Kanal hat ökonomische und auch ökologische Nachteile. Seit Anfang der 90 Jahren gilt in Rheinland-Pfalz daher die Konzeption einer möglichst naturnahen Niederschlagswasserbewirtschaftung mit dem Ziel, das nicht behandlungsbedürftiges Niederschlagswasser soweit wie möglich auf der Fläche zu belassen und zu versickern.
Weitere Informationen siehe auch im Kapitel Niederschlagswasser.
Abwasserbeseitigungskonzept
Zur Unterstützung bei der Erstellung der Abwasserbeseitigungs-konzepte können über Abwasserbeseitigungskonzepte Online eine Reihe vorgefertigter Datenschablonen sowie ausgewählte Geobasis- und Geofachdaten angefordert werden.
Nachhaltige Klärschlammbewirtschaftung bzw. Phosphor – Rückgewinnung
In Rheinland-Pfalz wird die duale Strategie umgesetzt, d.h. das qualitativ hochwertige Schlämme weiterhin zur Schließung der Stoffkreisläufe direkt in in der Landwirtschaft ausgebracht werden. Dies ist vor dem Hintergrund der endlichen Phosphorreserven zur Kreislaufschließung auch weiterhin erforderlich, da die Phosphorrückgewinnung derzeit noch zu teuer ist. Belastete Klärschlämme sind hingegen thermisch zu verwerten. Das Endprodukt ist möglichst für eine spätere Phosphorrückgewinnung zwischen zu lagern. Da Phosphor bei einer Mitverbrennung für die stoffliche Verwertung für immer verloren geht, wird von dieser abgeraten.
Mit Unterstützung des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz wird auf der Kläranlage Pirmasens die Phosphorrückgewinnung mittels MAP Technik in Kombination mit der Thermodruckhydrolyse getestet.
Benchmarking
Durch das Benchmarking – Projekt können Kommunen ihre Betriebskennzahlen mit anderen vergleichen mit dem Ziel, bestehende technische, strukturelle und andere Optimierungsmöglichkeiten zu erkennen. Eine Wiederholung des Projektes wird 2011 für das Erhebungsjahr 2010 durchgeführt werden.
Abwasserexpertengruppe AWEX
Die AWEX besteht aus qualifizierten Ingenieuren, weiteren Experten der Wasserwirtschaft und einem Vertreter des Gemeinde und Städtebundes. Sie berät und unterstützt Abwasserbeseitigungspflichtige auf Anfrage bei der Optimierung von Konzepten /Planungen bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen von Kläranlagen und Kanalnetzen.
Ansprechpartner sind die Struktur- und Genehmigungsdirektionen Nord und Süd.
NiedSim
NiedSim liefert für jeden beliebigen Ort in Rheinland-Pfalz synthetische Niederschlagsreihen in hoher zeitlicher Auflösung. Damit ist es möglich, z.B. Langzeitsimulationen zur Nachrechnung von Kanalnetzplanungen flächendeckend mit hoher Genauigkeit durchzuführen.
Auch bei der hydrologischen Modellierung kleiner Einzugsgebiete sind die Zeitreihen gut einsetzbar.Für die Bereitstellung dieser Zeitreihen wird eine Gebühr erhoben.
Kontakt und Informationen bitte hier.

