Wanderfischprogramm Rheinland-Pfalz
(Stand Mai 2013)
Mit dem „Aktionsprogramm Rhein – Lachs 2000“ leitete die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) die Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung des Ökosystems und Förderung der Wanderfische und insbesondere für den Aufbau eines Lachsbestandes ein, die von den Rheinanliegerstaaten auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Nach dem Jahr 2000 wurde das bisher sehr erfolgreich verlaufene Programm der IKSR bis zum Jahr 2020 unter der Bezeichnung „Rhein 2020“ neu ausgerichtet. Ziele des Programms Rhein 2020 sind „die Wiederherstellung des Biotopverbundes“ und die „ökologische Durchgängigkeit des Rheins vom Bodensee bis zur Nordsee sowie der im Wanderfischprogramm enthaltenen Nebenflüsse“. In Rheinland-Pfalz erfolgen die Gewässerrenaturierungen und die Wiederherstellung der Durchgängigkeit im Rahmen der „Aktion Blau Plus“ und nach den Vorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie.
 
Das im Jahr 1994 in Rheinland-Pfalz begonnene Programm zur Wiederansiedlung von Wanderfischen wie Lachs und Meerforelle umfasste ursprünglich drei Schwerpunktgewässersysteme: Die Lahn mit dem Nebengewässer Mühlbach, den Saynbach mit Brexbach und die Sieg mit zahlreichen Nebengewässern, insbesondere Wisserbach und Nister. Im Jahr 1995 wurde die Ahr wegen ihrer besonderen Eignung in das Programm aufgenommen. Seit 1997 waren vorübergehend die Moselnebengewässer Prüm (mit Nims und Enz) und Kyll und seit 2004 ist der Elzbach ebenfalls in das Programm integriert. Als bisher letztes Projektgewässer ist 2013 die Nahe mit ersten Besatzmaßnahmen dazugekommen. An der Nette findet ein Monitoringprogramm zur natürlichen Wiederbesiedlung statt. An der Sieg wurden bereits in den Jahren 1991 und 1993 erste Besatzmaßnahmen in geringem Umfang in Kooperation mit dem Land Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Im Jahr 2004 begann ein Projekt mit Frankreich (Conseil Supérier de la Pêche (CSP) und der Confederation Du Bas-Rhin Pour La Pêche Et La Protection Du Milieu Aquatique (Strasbourg) zur ökologischen Entwicklung der Wieslauter in ihrem Einzugsgebiet einschließlich der Wiederansiedlung des Lachses.
 
Der Landesfischereiverband Pfalz e. V. ist als Pächter der Wieslauter am Wiederansiedlungsprogramm für den Lachs beteiligt und organisiert seit 2004 die jährlichen Besatzmaßnahmen mit Lachssömmerlingen .
Im Rahmen des Programms erfolgten bisher Investitionen für Besatzmaßnahmen von rd. 1,8 Mio. Euro und für die Erfolgskontrolle von ca. 0,95 Mio. Euro. Flankiert werden die Maßnahmen der Fischereiverwaltung durch Investitionen der Wasserwirtschaftsverwaltung in den Projektgewässern für Maßnahmen zur Habitatverbesserung im Rahmen der „Aktion Blau Plus“ und aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), insbesondere zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit. Seit 1994 bis einschließlich 2012 wurden rd. 234 Mio. Euro in die „Aktion Blau Plus“ und damit in den naturnahen Zustand der Gewässer investiert.

 
Insgesamt konnten in den rheinland-pfälzischen Wanderfisch-Projektgewässersystemen Sieg, Saynbach, Ahr, Nette und Lahn sowie in Mosel und Rhein im Zeitraum 1992 – 2013 immerhin 987 Meerforellen und 649 Lachse nachgewiesen werden.
 
Sieben Jahrgänge junger Lachse befinden sich zum Zweck der Aufzucht zu Elterntieren zur Gewinnung von importunabhängigem Besatzmaterial für die Besatzmaßnahmen in Rheinland-Pfalz und Hessen im „Lachszentrum Hasper Talsperre“. An der Lahn wird eine länderübergreifende Zusammenarbeit mit dem Land Hessen (Regierungspräsidium Gießen) und an der Sieg mit dem Land Nordrhein-Westfalen in der gemeinsamen Umsetzung des Programms gepflegt. An der Lahn in Aumenau wurde eine kleine Lachsaufzuchtstation gemeinsam finanziert, die von der IG-Lahn ehrenamtlich betrieben wird. An der Nister wurde eine Erbrütungs- und Aufzuchtanlage der ARGE Nister gefördert. An den Betriebskosten der Kontroll- und Fangstation in der Sieg in Buisdorf beteiligt sich das Land Rheinland-Pfalz seit 2000 mit 43.000 Euro jährlich.
 
An allen Schwerpunktgewässersystemen – außer an der Mosel – existieren Arbeits- bzw. Interessengemeinschaften, die das Programm ehrenamtlich unterstützen, so die bereits genannte IG-Lahn, darüber hinaus die ARGE Saynbach, die ARGE Nette, die ARGE Nister und die ARGE Ahr. Die beiden Letztgenannten wurden im Rahmen der Beteiligung am Programm „Lachs 2000“ gegründet. Eine weitere ARGE entstand an der Nahe. Als deutliches Zeichen des Erfolges kann die Tatsache gewertet werden, dass in Ahr, Mühlbach, Sieg, Nister, Wisserbach, Elbbach (Sieg), Nette, Saynbach, Brexbach und Wieslauter die erfolgreiche natürliche Fortpflanzung des Lachses seit Jahren regelmäßig nachgewiesen werden konnte.
 
Nähere Informationen enthält die Veröffentlichung des Umweltministeriums „Der Lachs kehrt zurück – Stand der Wiederansiedlung in Rheinland-Pfalz“.